the mistake

“In no way do we believe in a fine-arts system; we believe in very diverse problems whose solutions are found in heterogeneous arts.”

“A becoming is not a correspondence between relations. But neither is it a resemblance, an imitation, or, at the limit, an identification.” (Deleuze/Guattari, A Thousand Plateaus)

Mistakes are commonly confused with failures: they are made identical with the results of unsuccessful realizations of the ideas that drove them into being (Intention). Artistic production also tends to be subordinate to this reduction: there is always a Plan, that the artist follows coherently, step-by-step, until the realization finds its final form. The difference to ‘everyday’ working processes appears simply to reside in the person of the artist: that they have a much wider palette of productive possibilities- they are ‘creative’.

A mistake however, understood as a break in this creative process, presents an interesting opportunity: a point of departure for a dialogue between the result (the unplanned object), and its reception; offering us the chance to more closely observe, review and analyse the customarily internalised and automated mediation process (how does an object come to be taken as art?).

Such a dialogue is not without consequences, demanding after all an adjustment to our habitual modes of thinking (our expectations as a would-be critical authority), forcing us to alter our position vis-à-vis the object- this holds for the artist as well as spectator.

For the artist come first and foremost questions around their authorship. Are they still the author of this result, and does the object necessarily carry their signature? Or do they disclaim that authorship, but nevertheless give the object art-object status via a straight declaration? Or do they simply refuse any further involvement with the defective result?

The spectator, on the other hand, has to try to understand their relation to the object (and to the reaction of the artist to the object). Does the spectator apprehend the artist as author or signatory, even without their assent? Or does the spectator dismiss the object as an artwork, even if the artist has previously decided to declare it such?

What impact do these respective determinations have on the status of objects within the mundane art context? (And on the theoretical plane: does the apparent sufficiency of an artist’s declaration for an object to be art run counter to ideas that an artwork finds its final realisation in its reception?)

For The Mistake, we have gathered together 12 positions on these questions: from curators, artists and gallerists: Aaron Moulton, April Gertler, April Lamm, Angela Lammert, Daniel Seiple, Douglas Park, Fanny Gonella, Lena Ziese, Lotte Møller, Marcel Bühler, Pieternel Vermoortel, and Warren Neidich.

Our starting point is Die Ruine, an object by Stef Heidhues, which we are convinced is particularly suitable to open up a discourse of this kind.

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“Wir glauben keineswegs an ein System der schönen Künste, sondern an ganz unterschiedliche Probleme, die in verschiedenartigen Künsten ihre Lösungen finden.”

“Ein Werden ist keine Entsprechung von Beziehungen. Aber ebenso wenig ist es eine Ähnlichkeit, eine Imitation oder gar eine Identifikation.” (Deleuze/Guattari – Tausend Plateaus)

Fehler werden gemeinhin mit Versagen gleichgesetzt –  sie gelten als das Ergebnis einer nicht gelungenen Umsetzung der jedem Schaffensprozess zugrunde liegenden Idee (Intention). Selbst künstlerisches Schaffen wird für gewöhnlich dieser Struktur unterworfen: es gibt immer einen Plan, der in kohärenten Schritten bis zu seiner Realisierung abgearbeitet wird. Der Unterschied zu alltäglichen Arbeitsprozessen scheint einzig im Bewusstsein des Künstlers um die Vielfältigkeit seiner (Ausdrucks-) Möglichkeiten zu liegen – er ist kreativ.

Jedoch bietet ein Fehler, verstanden als Unterbrechung eben dieses Prozesses, vor allem auch eine Chance: Er wird zum Ausgangspunkt für einen Dialog zwischen dem Resultat (ungeplantem Objekt) und seinen Rezipienten und bietet uns somit die Möglichkeit, den üblicherweise internalisierten und automatisierten Prozess der Mediation (wie wird ein Objekt zum Kunstwerk?) offen wahrzunehmen und folglich zu durchdenken und zu analysieren.

Ein solcher Dialog bleibt nicht ohne Konsequenzen, denn er erfordert eine Umstellung unseres üblichen Denkschemas (unsere Erwartungshaltung als vermeintlich kritische Instanz), die uns zwingt, uns gegenüber dem Objekt neu zu positionieren – sowohl als Künstler als auch als Betrachter.

Für den Künstler stellt sich zuvorderst die Frage nach seiner Autorschaft. Ist er noch immer der Urheber des Resultats und damit sogleich Signatar des Kunstwerks? Oder lehnt er die Autorschaft ab, schreibt dem Objekt aber dennoch den Status als Kunstwerk durch reine Deklaration zu? Oder verweigert er sich gar jeder weiteren Auseinandersetzung mit dem fehlerhaften Resultat?

Auch der Betrachter muss sich der Aufgabe stellen, seine Beziehung zum Objekt (und zur Reaktion des Künstlers auf das Objekt) zu diskutieren. Versteht er den Künstler als Autor oder Signatar, vielleicht gar ohne dessen Einverständnis? Oder lehnt er das Objekt als Kunstwerk ab, womöglich obwohl der Künstler sich zuvor entschlossen hat, es als dieses zu deklarieren?

Doch welchen Einfluss haben die jeweiligen Entscheidungen tatsächlich auf den Status des Objekts im täglichen Kunstgeschehen? (Und in der Theorie: Läuft die Vorstellung, dass die reine Deklaration durch den Künstler ausreicht, der Idee, dass ein Kunstwerk seine endgültige Vollendung erst durch seine Rezeption erlangt, zuwider?).

Für The Mistake haben wir zwölf Meinungen eingeholt – von Kuratoren, Künstlern und Galeristen: Aaron Moulton, April Gertler, April Lamm, Angela Lammert, Daniel Seiple, Douglas Park, Fanny Gonella, Lena Ziese, Lotte Møller, Marcel Bühler, Pieternel Vermoortel und Warren Neidich.

Als Ausgangspunkt diente uns Die Ruine, ein Objekt von Stef Heidhues, von dem wir überzeugt sind, dass es sich für einen Diskurs über eben diese Fragen besonders eignet.

One comment.

  1. We herby must express our profound thanks to Constantin Riepe for his endless support.

    Wir danken Constantin Riepe für seine unglaubliche Hilfsbereitschaft.

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